Psychotherapie

Psychotherapie wirkt als Heilmethode auf der Basis hilfreicher Gespräche durch Dialog und Begegnung. Ganz prinzipiell geht es in einer Psychotherapie darum, persönliche Entwicklungs- Veränderungs- und Heilungsprozesse in einem geschützten Rahmen zu ermöglichen. Dies gelingt am besten, wenn Therapieziele klar definiert und mit persönlichen Lebenszielen vereinbar sind - und wenn PatientInnen Hoffnung, Zuversicht und Vertrauen auf heilsame Veränderungen entwickeln können.

Psychotherapie nach dem Psychotherapeutengesetz

In unserem Gesundheitswesen ist die Ausübung von Psychotherapie durch das Psychotherapeutengesetz (PsychThG) in § 1 Abs. 3 definiert als eine „mittels wissenschaftlich anerkannter psychotherapeutischer Verfahren vorgenommene Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Störungen mit Krankheitswert“.  Als krankheitswertige seelische Probleme werden Störungen der Wahrnehmung, des Verhaltens, der Erlebnisverarbeitung, der sozialen Beziehungen und der Körperfunktionen verstanden.  >>>

Als Leistung der Krankenkassen wird Psychotherapie nur dann anerkannt, wenn Arbeitsfähigkeit und Lebensqualität als deutlich eingeschränkt und die normale Lebensführung in verschiedenen Lebensbereichen als erheblich gestört und leidverursachend erlebt und bewertet werden. (ICD-11: WHO-Klassifikation für psychische Störungen). 

Grundannahmen und allgemeine Ziele von Psychotherapie

Ursachen leidvoller psychischer und psychosomatischer Erkrankungen sind vielfältig. Psychische Erkrankungen entstehen durch krankmachende Lebensumstände, als Folge früher Beziehungsstörungen und verschiedener entwicklungshemmender Faktoren, oder durch anhaltende schwere soziale Belastungen und schicksalhaftes Unglück. In der Therapie muss deshalb auch unterschieden werden  zwischen den Entstehungsbedingungen in frühen seelisch überfordernden Situationen und den daraus resultierenden Folgen, die sich in dysfunktionalen Lösungsversuchen zeigen. Häufig gest es dabei um Lebensgeschichten mit problematischen Entwicklungen auf körperlicher, seelischer, familiärer und sozialer Ebene. Zentrales Ziel jeder Psychotherapie ist deshalb die Heilung seelischer Verletzungen und die Transformation einschränkender Lebens- Verhaltens- und Beziehungsmuster. 

Seelische Notlösungen

Symptomatische Beschwerden und überdauernde innere Konflikte sind seelische „Notlösungen“ und immer Ausdruck nicht oder nur kompromisshaft gelebter existentieller Wünsche und Bedürfnisse auf personaler wie auf zwischenmenschlicher Ebene. 

Selbsterfahrung

Psychotherapie als Selbsterfahrung unterstützt das Bewusstmachen und Erleben dieser eigenen inneren Wirklichkeit, deren Schutz-Abwehr-Haltungen,  die Verwirklichung von Entwicklungspotenzialen und wertorientierten Lebenszielen blockieren.

Gefühle als Wegweiser

Damit einhergehende Gefühle und Ängste wollen als „Wegweiser der Seele“ beachtet, anerkannt, verstanden und emotional verarbeitet werden, damit sie in der eigenen Lebensgeschichte ihren angemessenen „Platz finden“ können (= heilende Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart für die Zukunft). 

Selbstwertgefühl

Besonders wichtig ist die Entwicklung eines gesunden Selbstwertgefühls mit situationssensiblen Bewältigungsmustern. Denn die Qualität unseres Selbstwertgefühls entscheidet darüber, ob und wie wir uns für unsere grundlegenden Bedürfnisse, und Beziehungswünsche engagieren und welche Ziele wir verfolgen. 

Mögliche positive Effekte einer Psychotherapie

So unterschiedlich persönliche Gründe und Auslöser für eine Psychotherapie sein können, so vielfältig können mögliche Lernerfahrungen für innere Entwicklungsprozesse und persönliches Wachstum sein. Mögliche positive Effekte einer Psychotherapie sind je nach Ausmaß und Komplexität mitgebrachter Probleme und angestrebter Veränderungsziele:

  • Sie entwickeln Selbstbewusstsein und Selbstwirksamkeit.
  • Sie erfahren Heilung bzw. Linderung Ihres Leidensdrucks.
  • Sie reflektieren Ihr Denken, Fühlen und Handeln.
  • Sie verstehen Ihre Beziehungs- und Verhaltensmuster.
  • Sie treffen Entscheidungen für notwendige Veränderungen.
  • Sie entdecken Ihre Fähigkeiten, Stärken und Wahlmöglichkeiten.
  • Sie finden Wege, selbstbestimmte Ziele zu verwirklichen. 
  • Sie versöhnen sich mit eigenen Grenzen und Schwächen. 
  • Sie betrauern verpasste Chancen und schmerzhafte Verluste.
  • Sie lösen Konflikte statt sie zu vermeiden. 
  • Sie lernen loszulassen, was Sie hemmt und blockiert.
  • Sie werden achtsamer für Wesentliches und Unwesentliches.
  • Sie entwickeln seelische Stärke (Resilienz) und menschliche Reife.
  • Sie leben ihre Beziehungen authentischer und liebevoller.
  • Sie verstehen Lebensprobleme als Entwicklungsmöglichkeiten.
  • Sie reflektieren Ihre persönliche Werte- und Sinnorientierung.

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